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PFC in Sport- und Outdoor-Kleidung: „Technologie-Umstellung zu umweltfreundlichen Alternativen“

'Im Oktober 2012 hat Greenpeace in einer ersten Untersuchung von Produkten namhafter Outdoor-Hersteller auf die Verwendung per-fluorierter Chemikalien zur Bekleidungsimprägnierung hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass diese durch das Waschen und Tragen der Textilien in die Umwelt abgegeben und hier nicht abgebaut werden können. Aufgrund dieser bedenklichen Eigenschaften haben sich zahlreiche Sportartikel- und Outdoor-Unternehmen dazu entschlossen, auf die Produktimprägnierung mit per-fluorierten Chemikalien zu verzichten und stellen derzeit auf umweltfreundliche Alternativen um.

Dieser Umstellungsprozess ist mit hohen Herausforderungen verbunden und braucht eine gewisse Zeit: Auf der einen Seite ist die Branche von der Neuentwicklung umweltgerechter Chemie zur Textilbeschichtung abhängig. Auf der anderen Seite stellen aber auch die Verbraucher hohe Anforderungen an die Funktionalität ihrer hochwertigen Produkte, wie z.B. Outdoor-Jacken, die sie in der Vergangenheit sowohl auf dem Berg als auch in der Fußgängerzone sehr zu schätzen gelernt haben. Vor rund drei Jahren wurde dieser Technologiewechsel eingeleitet und nun können nach einer Phase der Forschung und Entwicklung und der Verankerung neuer Prozesse in der Textil-Herstellung, erste Produkte auf den Markt gebracht werden. Da perfluorierte Chemie allerdings in den Produktionsprozessen in Fernost derzeit noch allgegenwärtig ist, kann von Herstellerseite oftmals noch keine Garantie für die Fluorfreiheit der Produkte übernommen werden. Dies liegt auch daran, dass per-fluorierte Chemie weltweit nahezu omipräsent ist.

Die Chemikalien werden neben einer Vielzahl industrieller Verwendungszwecke wie dem Flugzeugbau, der Halbleiter- und metallverarbeitenden Industrie auch in der Konsumgüterindustrie, beispielsweise zur Beschichtung von Papier und Pfannen und in der Veredelung von technischen Stoffen, bei Teppichen sowie in Textilen eingesetzt.[1] Sie verleihen der Bekleidung wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften. Die Chemikalien sind aufgrund ihres stabilen Charakters allerdings nur schwer in der Umwelt abbaubar und sehr flüchtig. Neben den zahlreichen, oben genannten, Verwendungszwecken ist Sport- und Outdoor-Bekleidung dagegen, relativ gesehen, nur für einen geringen Anteil per-fluorierter Chemie in die Umwelt verantwortlich. Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung aus dem Jahr 2013 stammen 0,5% der in deutschen Abwässern gefundenen bedenklichen, per-fluorierten Chemikalien (PFOA) von Outdoor-Jacken.[2]

Als Vorreiter in Sachen Umweltschutz hat die Outdoor-Industrie aber, wie schon erwähnt, ihre Konsequenzen gezogen und engagiert sich nicht nur individuell, sondern auch gemeisam als Branche. In dem Projekt Wasserdicht, atmungsaktiv und grün - Nachhaltige Ausrüstung von Outdoor-Textilien“ kooperieren der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. und die in ihm organisierten Outdoor-Firmen mit der Universität Bremen und dem Umweltbundesamt um „grüne Alternativen“ zur Textilbeschichtung wissenschaftlich bewerten zu lassen. Erfreulicherweise haben sich zahlreiche Chemikalienhersteller bereiterklärt, ihre fluor-freien Chemikalien testen zu lassen, damit der Öffentlichkeit bald wichtige Informationen zu fluorfreien Alternativen zur Verfügung gestellt werden können.

Eine weitere wichtige Komponente in Bezug auf Nachhaltigkeit ist allerdings auch die richtige Pflege, denn nur so kann Qualität und die Langlebigkeit der Produkte gesteigert werden. Die wenigsten Verbraucher/innen wissen derzeit leider, dass die wasserabweisende Oberflächenimprägnierung der Jacken durch eine moderate Wärmeeinwirkung, wie sie durch das Bügeln bei niediger Temperatur erzeugt wird, leicht und umweltfreundlich reaktiviert werden kann. Zudem werden vermehrt nun auch fluorfreie Nachimprägnierungsmittel auf den Markt gebracht, mit denen eine adäquate und umweltfreundliche Produktpflege möglich ist.

Die Sportartikel- und Outdoor-Branche befindet sich insgesamt auf einem sehr guten Weg und hat auch schon erste Erfolge zu verzeichnen, allerdings ist der Umstellungsprozess anspruchsvoll und zeitaufwändig und lange noch nicht abgeschlossen. Die umweltfreudlichen Produkte werden in den kommenden Saisons nun allmählich auf den Markt kommen.

 

Pressemitteilung:

BSI-Info: PFC in Sport- und Outdoor-Kleidung: „Technologie-Umstellung zu umweltfreundlichen Alternativen“

Informationsflyer:
„Wasserdicht, atmungsaktiv und grün - Nachhaltige Ausrüstung von Outdoor-Textilien“

 


[1] Investigation of use and emission of per- and polyfluorinated substances in the Nordic countries, Stefan Posner et. al. (2012)

[2] “Outdoor-Jackets as a source of PFAS in the environment”, Thomas P. Knepper, Hochschule Idstein, Berlin 25.09 2013

 

 

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