Ergebnisse des europ. Retourentachos: Fast jedes vierte Paket im E-Commerce geht als Retoure zurück

Der European Return-o-Meter (EUROM) der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg ist die erste europäische Händlerbefragung zum Retourenmanagement im E-Commerce. Er schafft den bislang umfangreichsten Einblick in die Praktiken deutscher E-Commerce-Händler und vergleicht diese mit Händlern aus anderen europäischen Märkten.

Die Studie zeigt, dass vor allem die Warengruppen „Fashion“ mit 64% und „Freizeit“ mit 11% sehr hohe Retourenquoten aufweisen. Sportartikel sowie Sport-und Outdoorbekleidung fallen hier unter das Warencluster „Freizeit“. Alle anderen Warencluster liegen hier bei maximal 5%.
Artikelbezogen ergibt sich eine Retourenquote von 33% im Bereich „Fashion“ und 7,5% im Warencluster „Freizeit“.
Insgesamt geht fast jedes vierte Paket im E-Commerce an die Händler zurück, dies ergibt schätzungsweise 530 Mio. Retourensendungen mit rund 1,3 Mrd. Artikeln.

Die Retourenkosten (Transport-und Bearbeitungskosten) belaufen sich im Schnitt auf 2,85 Euro pro Artikel und 6,95 Euro pro retournierter Sendung.  

Außerdem beschäftigt sich die Studie mit der Verwertung von retournierten Produkten: Im Mittel können 93% der retournierten Artikel als neuwertig verkauft werden, der Anteil durch Händler entsorgter Retouren liegt nur bei 1,3%. Dies bedeutet jedoch, dass in 2021 trotzdem schätzungsweise 17 Mio. retournierte Artikel entsorgt werden.

Hinsichtlich der Umweltwirkung von Retouren gehen die Autoren davon aus, dass auf die Retouren 2021 in Deutschland geschätzt 795.000 Tonnen CO2 zurückgehen.

Im europäischen Vergleich wurden über alle Warencluster hinweg in Deutschland die höchsten Retourenquoten beobachtet. Im europäischen Vergleich realisieren deutsche E-Tailer niedrigere Kosten pro Retoure als ihre europäische Konkurrenz. Deutsche E-Commerce-Händler sind besonders gut darin, ihre Retouren zu verwerten. Der Entsorgungsanteil ist in Deutschland niedriger als im Rest Europas. Interessant: Sowohl in Deutschland als auch im Rest Europas ist es für die Unternehmen offensichtlich attraktiver, Retouren zu entsorgen als zu spenden.

Zu den Gründen der hohen Retourenquoten in Deutschland zählen die Autoren den vergleichsweise hohen Rechnungsanteil bei Bestellungen (28,8% in D vs. 9,9% in Rest-EU), sehr liberale Rücksendungsregeln sowie die in der Regel kostenlose Rücksendung in Deutschland.

Gestützt wird dies durch die Ergebnisse der „E-Commerce Retouren Studie 2022“ von parcellab, einem Anbieter von Operations Experience Management. Demnach wollen 90% der Händler weiterhin kostenlose Retouren anbieten. Die Befragung von Kunden ergab hier außerdem, dass ein für die Rücksendung zwingend notwendiger Kontakt zum Kundenservice des Händlers als besonders lästig empfunden wird.  

Das gesamte Executive Summary, ausgewählte Screenshots sowie weitere Informationen und Hinweise zum europäischen Retourentacho findet sich hier.